Der spirituelle Weg im Christentum

Liebe Freunde, liebe Interessierte!

Nachdem wir im letzten Newsletter den Weg zur Erleuchtung aus der buddhistischen Sicht beschrieben haben, betrachten wir dieses Mal den Weg aus christlicher Sicht. Der Link zum letzten Newsletter noch einmal hier: "Erleuchtung mit Hilfe des Hollywoodfilms "Little Buddha" (10/2014) erklärt.

Christlicher Weg

In den spirituellen Lehren vieler Kulturen der Menschheit ist der sogenannte „Fall der Seele“ beschrieben.
Das ist ein Hinausfallen aus dem Unsterblichkeitsbewusstsein und der Eintritt in die Erfahrung der eigenen Abgetrenntheit von Gott in der Polarität.
Das ist das leidvolle Erfahren bzw. Identifizieren mit der Form, den Gegensätzen, der Angst, Vergänglichkeit, Zeitlichkeit und das Erfahren des Todes.

Durch die Identifikation mit der Dualität müssen wir den Tod erfahren, solange, bis wir bereit sind zur Rückkehr zum Vater – dem Bewusstsein von Sein-Bewusstsein-Glückseligkeit, dem Paradies.

In der Bibel wird diese Rückkehr  anschaulich beschrieben im „Gleichnis vom verlorenen Sohn“, der nach vielen irdischen Erfahrungen zum Vater zurückkehrt, um von ihm freudig aufgenommen zu werden.

Diese Rückkehr des Bewusstseins aus dem von der Einheit/Liebe abgetrennten Bewusstsein hin zur Einheit mit Gott/dem Leben wird neben dem Buddhismus und der spirituellen Tradition Indiens auch in der christlichen Religion mannigfaltig thematisiert.

Wie in den anderen Traditionen entkommt man dem Kreislauf aus Leid und Vergänglichkeit durch

a) die Erkenntnis Gottes bzw. des wahren Selbst

und darauf folgend

b) durch die maximale Expansion der Liebe durch die menschliche Persönlichkeit hindurch, bis das Ego völlig in Liebe aufgelöst ist.

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Das Christentum über den Übergang vom vergänglichen zum unvergänglichen Bewusstsein:

Nicht alles Fleisch ist das gleiche Fleisch, sondern ein anderes Fleisch haben die Menschen, ein anderes das Vieh, ein anderes die Vögel, ein anderes die Fische. Und es gibt himmlische Körper und irdische Körper; aber eine andere Herrlichkeit haben die himmlischen und eine andere die irdischen. – 1.Korinther 15/39-40

Der Übergang durch den spirituellen Transformationsweg wird hier angezeigt:

Der erste Mensch ist von der Erde und irdisch; der zweite Mensch ist vom Himmel.
Wie der irdische ist, so sind auch die irdischen; und wie der himmlische ist, so sind auch die himmlischen.
Und wie wir getragen haben das Bild des irdischen, so werden wir auch tragen das Bild des himmlischen
. – 1. Korinther 15/47-49

Noch ein Hinweis auf die Transformation:

Siehe, ich sage euch ein Geheimnis: „ihr werdet nicht alle entschlafen, wir werden aber alle verwandelt werden… Denn dies Verwesliche muss anziehen die Unverweslichkeit, und dies Sterbliche muss anziehen die Unsterblichkeit“. – 1. Korinther 15/51-53

Der Tod ist eine Illusion, die aufgrund der Identifikation des Bewusstseins mit Form entsteht, wie im spirituellen Erwachen (Das Erwachen der Erkenntnis, wer ich wirklich bin) bereits vollständig erkannt wird.
Tod, wo ist dein Sieg? Tod, wo ist dein Stachel? – 1. Korinther 15/50

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Abfallen der Wünsche durch Erkennen der zeitlosen Wahrheit im Hier und Jetzt:

Vollendung des spirituellen Weges liegt jedoch in der faktischen Befreiung der Seele aus der Identifikation mit der Materie, was zeitgleich ist mit dem Auflösen aller Wünsche, die auf die Welt abzielen (da Wünsche ausschließlich aus dem sterblichen Körper abgeleitet sind).

Jesus antwortete: Wahrlich, wahrlich ich sage dir: Es sei denn, dass jemand geboren werde aus Wasser und Geist, so kann er nicht in das Reich Gottes kommen.
Was vom Fleisch geboren wird, das ist Fleisch, und was vom Geist geboren wird, das ist Geist. Lass dich's nicht wundern, dass ich dir gesagt habe: Ihr müsst von neuem geboren werden
. – Johannes Evangelium Kapitel 3 Verse 1-8

Weiterhin schreibt Johannes den eindeutigen Hinweis auf den spirituellen Transformationsweg und sein Endergebnis:

Jesus antwortete und sprach zu ihm: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Es sei denn, dass jemand von neuem geboren werde, so kann er das Reich Gottes nicht sehen.

und:

Jesus antwortete: Wahrlich, wahrlich ich sage dir: Es sei denn dass jemand geboren werde aus Wasser und Geist, so kann er nicht in das Reich Gottes kommen.

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Weg zur Erkenntnis Gottes und Vereinigung mit Gott durch meditative Stille und von Liebe durchdrungene Handlungen

Die Bedingungen für den Eingang in das Reich Gottes sind also klar formuliert. Es muss eine spirituelle Wiedergeburt des Menschen – ein neues Bewusstsein – geschehen. In der Identifikation mit der weltlichen Persönlichkeit ist unser Streben zwangsläufig auf die Vergänglichkeit ausgerichtet.

Meiner Erfahrung nach geschieht diese Umwandlung vom Sterblichen zum Unsterblichen vor allem durch die von Gott ausgegossene Weisheit & Liebe in der Kontemplation, in der Stille.

Aber auch im weltlichen Handeln müssen die Erkenntnisse und der Fortschritt einen Ausdruck erhalten. Das heißt, wir müssen die erkannte Liebe auch zulassen. Sonst werden weitere Erkenntnisse in der Stille blockiert, und die absolute (bewusst erfahrene) Einheit mit Gott wird unmöglich.

So schreibt hier dazu die Bibel: Seid stille und erkennet, dass ich Gott bin. – Psalm 46:10

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Der transformatorische Weg der gelebten Liebe in Außen wird durch diese Passage verdeutlicht:

Lasst uns aber wahrhaftig sein in der Liebe und wachsen in allen Stücken zu dem hin, der das Haupt ist, Christus, – Epheser 4,15-16

Es genügt nicht nur der Glaube an Gott, sondern es muss auch gelebt werden. So heißt es im Johannes-Evangelium:

Meine Speise ist, dass ich tue den Willen des, der mich gesandt hat. – Johannes 4, 34

Selbst Jesus Christus hat eine spirituelle Entwicklung durchlaufen

Und selbst Jesus ist durch eine spirituelle Entwicklung gegangen, denn es heißt in der Bibel:

So hat er, obwohl er Gottes Sohn war, doch an dem, was er litt, Gehorsam gelernt. – Hebräer 5,8

So geht das Innen mit dem Außen immer Hand in Hand und der spirituelle Sucher schreitet zur Befreiung seiner Seele aus der Knechtschaft von Tod, Raum und Zeit voran.

Bewusstsein jenseits der Identifikation (=Begrenzung) mit Form

Die Erfüllung und Verheißung auch der christlichen Lehre.

Auch dafür gibt Jesus einen direkten Hinweis in der Bibel:

Jesus antwortete: Mein Reich ist nicht von dieser Welt. Wäre mein Reich von dieser Welt, meine Diener würden kämpfen, dass ich den Juden nicht überantwortet würde; aber nun ist mein Reich nicht von dannen. – Johannes 18:36

und ferner: Das Reich Gottes ist inwendig in euch – Lukas 17,21

Dieses Bibelzitat zeigt uns, dass das Königreich kein Objekt der Sinne ist, sondern unsere spirituelle Wirklichkeit, die stets (also bereits JETZT in diesem Augenblick) unser wahres Selbst IST.

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Erleuchtung und Einheit mit Gott ist für Alle erreichbar

Dass die göttliche Wirklichkeit nicht nur Jesus Christus alleine betrifft, sondern für alle Menschen das Ziel ihrer Verwirklichung ist, entnehmen wir diesen Stellen aus der christlichen Bibel:

Derselbe Geist gibt Zeugnis unserem Geist, dass wir Kinder Gottes sind. Sind wir denn Kinder, so sind wir auch Erben, nämlich Gottes Erben und Miterben Christi, so wir anders mit leiden, auf dass wir auch mit zur Herrlichkeit erhoben werden – Roemer 8:16-17

und dieser Passage:

Darum sollt ihr vollkommen sein, gleichwie euer Vater im Himmel vollkommen ist – Matthaeus 5:48

Viel Freude auf Eurem spirituellen Weg wünscht Euch

Euer Damodar Bernhard Goller

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