Das Finanzsystem des alten Paradigmas

Zinseszins - Finanzsystem mit Geldschöpfung "aus dem Nichts"

Das heutige Finanzsystem ist, wie ich im Folgenden zeigen will, eine Entsprechung des Paradigmas der Pyramide im Geldbereich. Es unterstützt das Paradigma, indem es systemimmanent dafür sorgt, dass durch den Zinseszinsmechanismus alles dem Kapital dient und dass es dadurch Vermögensungleichgewichte sehr leicht entstehen können.

Exponentielles = instabiles Wachstum des Geldes

Das aktuelle System kann auch mit einem Schneeballsystem verglichen werden, denn es ist aufgrund des exponentiellen Zinseszinsmechanismus nicht in der Lage dauerhaft stabil zu bleiben.

Beispiel: Josefspfennigs-Rechnung
(nach Litear, 1999 und Kennedy, 1994)

Hätte beispielsweise jemand zu Christi Geburt (Jahr 0) einen Pfennig (=ca. 0,5 Eurocent) mit einer 5% Realverzinsung angelegt, so wäre dieses Geld im Jahre 100 rund 1,31 DM wert gewesen. Im Jahr 1466 ist aus dem Pfennig bereits eine Summe geworden, die dem Wert einer gesamten Erdkugel aus purem Gold entspricht. Im Jahr 2000 entspricht der Wert der Geldanlage 200 Mrd. Erdkugeln aus Gold.

[Grafik: Der Josephspfenning]

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Exponentielles Wirtschaftswachstum (Produktionswachstum)

Ebenso wie mit dem Geld verhält es sich mit dem Wirtschaftswachstum. Auch hier gilt: In einer endlichen Welt ist kein exponentielles Wachstum dauerhaft möglich. Wenn wir von 3% Wirtschaftswachstum im Jahr sprechen, ist das keine gleichmäßige Erhöhung der Produktivität, sondern 3% dieses Jahr ist mehr als 3% letztes Jahr.

Hier eine grafische Darstellung einer Exponentialfunktion:

Der Tag hat jedoch weiterhin nur 24 Stunden, der Planet nur endliche Ressourcen für alle Menschen und auch der menschliche Körper hat seine klar definierten Grenzen. Ab einem gewissen Punkt können wir weder mehr produzieren noch konsumieren.

Aus diesem Grund kann mehr Wachstum nicht die Lösung für alle unsere Probleme (wie z.B. die Arbeitslosigkeit) sein, wie viele Politiker immer glauben machen wollen.

Das Zinseszinssystem ist eine Vermögensumverteilungsmaschine

Vergegenwärtigt man sich die enorme Instabilität des exponentiellen Zinseszinssystems, ist klar, dass so ein System immer nur wenige Jahrzehnte stabil funktionieren kann, bevor es zu einem Zusammenbruch in Form einer Deflationskrise oder einer Hyperinflation kommen muss.

Während der Laufzeit des Zinseszinsgeldsystems jedoch kommt es für die Anleger von Geld zu enormen (scheinbaren) Vermögenszuwächsen. Solange alle an den Wert des Geldes glauben und es zu keiner Krise kommt, wachsen bei relativ stabilen Preisen die angelegten Geldvermögen exponentiell an. Die Leute, die viel Geld bei hohen Zinsen anlegen, können ihren Anteil am Gesamtvolksvermögen im Laufe der Zeit stark erhöhen. Auf der Gegenseite der Anleger stehen immer die Schuldner. Denn in einem Fiat-Money-Geldsystem (=ungedecktes Zinseszinsgeldsystem) steht jedem Euro Geldvermögen immer auch ein Euro Schulden gegenüber.

Kapitalisten wünschen sich immer ein Zinseszinssystem, denn der Traum eines Kapitalisten ist es reich zu sein, ohne vor allem körperlich dafür arbeiten zu müssen. Wenn wir körperlich nicht an der Welt teilnehmen wollen, sehen wir unbewusst immer auch auf das Körperliche und damit auch auf unseren eigenen Körper herab. Wir sind aber auch der Körper und damit Teil dieser Welt. Einen Körper zu besitzen, fordert auch auf, diesen zu benutzen. Teil-Nehmen bzw. Teil-Geben. Wenn wir den Körper ablehnen, können wir von ihm nicht freiwerden, denn, was wir ablehnen, bleibt bestehen.

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Funktion des Zinseszins-Kapitalismus

In einem Geldsystem mit konstanter Geldmenge, wie z.B. bei Gold als Geld, gewinnt derjenige, der Gold gegen Zinsen und Zinseszinsen verleiht, allmählich einen immer größeren Anteil am Gesamtgeldvermögen. Deshalb war im christlichen Mittelalter das Verlangen von Zinsen für Geldleihungen eine unehrbare und oft verbotene Handlung.

In unserem heutigen Geldsystem haben wir, wie bereits vorher erwähnt, keine konstante Geldmenge mehr, sondern eine ständig wachsende.

Exkurs: Inflation und Deflation

Der Wert des Geldes als Tauschmittel bestimmt sich aus dem Verhältnis von existierenden realen Gütern und der Geldmenge. Wenn es in einer Volkswirtschaft 100 Güter gibt und 100 Goldmünzen als Tauschmittel für diese Güter, so entspricht eine Goldmünze im Wert einem Produkt.

Wenn nun die produzierte Gütermenge - sagen wir - auf 110 im nächsten Jahr steigt, so muss auch die Anzahl der Goldmünzen auf 10 steigen, damit das Wertverhältnis "Gold zu Produkten" konstant bei 1:1 bleibt.

Wenn nur die Anzahl der Produkte steigt, das Gold aber nicht, so wird das Gold wertvoller. In dem Fall mit 110 Gütern bekommen wir pro Gold nun 10% mehr Güter als im Vorjahr (110 Güter : 100 Gold). Anders gesagt fällt der Preis für ein Produkt von ehemals 1,0 im Vorjahr auf nun ca. 0,91 Gold pro Produkt. Eine solche Wertsteigerung des Geldes bzw. den spiegelbildlichen Preisrückgang der Waren nennt man Deflation.

Steigt hingegen die Menge der Goldmünzen um 10% an, während die Warenmenge konstant bleibt, so tritt der gegenteilige Effekt ein. Die Preise steigen. In unserem Fall existieren für jedes Produkt nun 1,1 Goldstücke (insgesamt 110 Gold und 100 Produkte). Somit sind die Preise um 10% gestiegen oder anders gesagt der Wert einer Goldmünze ist gefallen. Diesen Prozess nennt man Inflation.

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Geld und Geldmenge im heutigen Geldsystem

In unserem heutigen Geldsystem wächst die Geldmenge von Jahr zu Jahr. Sie muss sogar wachsen, da Geld in unserem Finanzsystem verzinst wird. Da es zu jedem Zeitpunkt immer weniger tatsächlich existierendes Geld gibt als Schulden ist das System eigentlich unausweichlich dem Kollaps geweiht. Nur die Zeitverzögerung zwischen dem Eingehen und Rückzahlen einer Schuld, verhindert den unmittelbaren Zusammenbruch. Alle Bankschuldverhältnisse sind verzinst. Das Geld, das die Zinsen darstellt, gibt es jedoch heute noch nicht, es muss erst in der Zukunft geschaffen werden, es gibt niemals genug Geld.

Ewiges Schuldenwachstum

Geld wird in unserem System durch die Aufnahme neuer Schulden geschaffen, denn Geld an sich ist nichts anderes als ein Versprechen, Geld zu liefern. Eine rein virtuelle Größe. Geld ist Schuld.

Damit das System stabil bleibt, müssen immerfort neue Schulden geschaffen werden. Die neuen Schulden bezahlen die Zinsen der alten Schulden und die Rückzahlung der Kredite.

Kommt die Kreditvergabe an einem gewissen Punkt ins Stocken und das exponentielle Kredit- und Geldmengenwachstum kann nicht fortgesetzt werden, kommt es zu einer schweren deflationären Krise und folgend zum Systemzusammenruch.

Deshalb wachsen heutzutage Staatsschulden und Geldmengen in immer astronomische Dimensionen. Sie können gar nicht anders, das ist der systemimmanente Zwang des Zinseszinskapitalismus!

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Geldschöpfung aus dem Nichts durch die Banken

Wie entsteht eigentlich Geld? Was ist Geld?

Wenige Menschen haben sich jemals diese Frage ernsthaft gestellt und das Thema wird auch leider in den Schulen und Universitäten nicht ausreichend behandelt.

Hier die verblüffende Antwort.

Geld wird erster Linie nicht von der Regierung erschaffen, sondern von privaten Banken!

Jedes Mal, wenn jemand bei einer Bank einen Kredit aufnimmt, entsteht neues Geld. Die Bank "zaubert" gewisser Maßen das Geld in die Existenz. Als Sicherheit für die "Ausleihung" erhält die Bank vom Schuldner reale Vermögensgegenstände als Pfand, die sie verkaufen kann, wenn die Forderung vom Kreditnehmer nicht zurückgezahlt werden kann. Die Gegenleistung der Bank ist das Versprechen, dem Schuldner die "ausgeliehene" Summe an Geld zu bezahlen.

Wohlgemerkt handelt es sich nur um ein Versprechen, Geld zu liefern und nicht Geld selbst. Geld im unmittelbaren Sinne sind in unserem modernen System nur die umlaufenden Scheine und Münzen und nicht das Geldguthaben auf Konten bei Banken und Sparkassen.

Nur Banknoten und Münzen sind Geld im eigentlichen Sinne und nur dieses wird ausschließlich vom Staat erschaffen. Das zirkulierende Bargeld ist dabei lediglich 5% der gesamten Geldsumme, der Rest ist Giralgeld.

Eines der Hauptmerkmale für den Niedergang des alten Systems ist an den derzeitigen Finanzkrisen zu erkennen. Die Subprime-Krise 2007 und die internationale Finanzkrise des Jahres 2008 sind bislang nur Vorkrisen einer größeren Finalkrise, die das gegenwärtige System zur Auflösung bringen wird. Es ist bislang unklar, ob es danach ein neues, stabiles System geben wird oder wieder ein neues System mit einem instabilen Konzept.

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Das gegenwärtige Finanzsystem als Spiegelbild des Egos

Das kapitalistische Finanzsystem, so wie es ist, repräsentiert wie kein zweites Beispiel so anschaulich das alte Paradigma, die Welt des Egos.

Eines der Hauptmerkmale des Egos, des illusorischen Selbstbildes, ist der Glaube, dass es ein persönliches Wachstum gibt. Das ist eine der größten Fehlvorstellungen, die man haben kann. Denn es gibt in Wirklichkeit keine von uns getrennte Außenwelt und somit auch kein persönliches Wachstum, kein Wachstum des ICHs. Oder anders gesagt, wenn ich in Wirklichkeit alles bin, dann kann ich nicht weiter wachsen, denn ich bin ja schon alles... Wachsen kann da höchstens eine Vorstellung, die kleiner ist, als mein wahres Selbst. Diese Vor-Stellung kann ich beliebig vergrößern oder auch verkleinern. Eine Vor-Stellung ist jedoch, wie der Name schon sagt, niemals die Wirklichkeit, sondern immer nur vor-gestellt.

In unserem alten System ist alles auf Wachstum ausgerichtet. Wachstum des Egos, der Vorstellung von Größe. Wir sind mit dem Besitz, der Ansammlung von Materie identifiziert und leben in der Vorstellung, unser Ich könnte wachsen, wenn unser Besitz größer wird.

Du magst vielleicht bestreiten, dass so eine Vorstellung in dir existiert, aber es ist doch oft so, dass Menschen sich ein "besseres" Leben vorstellen, mit mehr materiellen Gütern. Dass Kinder neidisch sind, wenn jemand anderes ein neues Spielzeug hat. Dass Leute stolz sind, wenn ihr Haus oder das Auto größer und teurer sind als die des Nachbarn, etc. Dass eine produktive Nation wie Deutschland weiter entwickelt ist, als harmonisch lebende Eingeborene. Die Klassengesellschaft.

Diese Vorstellungen von Wachstum über die Materie sind sehr mächtig in uns verankert. Sie treiben die Welt an. Wer reich ist, dem öffnen sich oft viele Türen und die Anerkennung der meisten Leute ist ihm oder ihr sicher. Schauen wir uns an dieser Stelle einmal kurz an, wie man das Wort "An-Erkennung" denn so interpretieren kann: Erste Bedeutung: An-Erkennen = Zu-Erkennen, d.h. zu dieser Person, zu diesem Namen zuordnen. Diesen Namen mit dem An-erkannten befüllen und einzuordnen; Zweite Bedeutung: das Gutheißen des, was ist, wohlwollen.

Wenn unser Besitz wächst, wächst unser Ruhm, unser Name ist unsere Be-Deutung ist unser Sein... Zumindest glauben wir das so.

Geld ist auch eine Energie und verleiht Macht und Stärke, das ist auch das, was abgetrenntes Ego in seiner irrigen Vorstellung von persönlichem Wachstum sucht. In Wirklichkeit fließt immer nur die eine Kraft, die wir Gott nennen, in jeder "unserer" Handlungen. Es gibt kein abgetrennt existierendes Selbst, keinen "Tuer". Diese Vorstellungen sind das Spiel, das in der höheren Sicht als Illusion erkannt wird.

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Geldsystem und dessen Folgen

Aufgrund der Vorstellung eines möglichen persönlichen Wachstums durch mehr materiellen Besitz, strebt die ganze Welt nach mehr materiellem Wohlstand, auch wenn dieser ab einem gewissen Umfang gar nicht mehr wirklich benötigt wird. Andere Entwicklungsmöglichkeiten, z.B. spirituelle Entfaltung verkümmern immer mehr, da sie nicht genügend Aufmerksamkeit und Energie bekommen. Die Menschen werden stattdessen immer einseitiger und engstirniger, richten sich immer mehr auf die Materie und das Ansammeln von Besitz aus, da das Besitzen den Glauben an das persönliche Wachstum befriedigt.

Um nicht ein falsches Bild zu erzeugen: Materielles ist nicht schlecht. Auch nicht das Verdienen bzw. Erzeugen von Geld und die Ansammlung von Besitz. Jedoch entstehen die oben genannten Probleme aus der Identifikation mit dem Besitz. Deshalb muss eine befreite Seele lernen, besitzlos zu besitzen, um nicht in die Ego-Falle des Materialismus zu fallen. Die Menge des Einkommens oder Vermögens an sich spielt jedoch keine Rolle.

Moderne Statistiken aus der Glücksforschung beweisen längst, dass materieller Wohlstand über ein gewisses Niveau das Lebensglück nicht weiter steigern kann. Dennoch ist unsere Gesellschaft weiterhin sehr einseitig auf die Mehrung der materiellen Güter um jeden Preis fixiert.

Aus dem kollektiven Glauben an eine Mehr-Identität durch mehr Besitz, strebt die ganze Welt nach mehr Geld und Vermögen. Dieses kollektive Streben erschafft die Pyramide. Der, wer das meiste Geld besitzt, steht im kollektiven Glauben am höchsten und der Glaube ist es, der die Welt erschafft.

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