Wahre Erkenntnis

Liebe Freunde, liebe Interessierte!

Spirituelles Wissen kann nicht durch Worte und Gedanken weitergegeben werden und auch durch den Verstand nicht wirklich gefasst werden. Dennoch ist es wertvoll spirituelle Bücher zu lesen und vor allem seinen Verstand durch aktives Nachdenken einzusetzen, bis das spirituelle Erwachen als direktes Erkennen durch dich, das Bewusstsein, tatsächlich eingesetzt hat.

Grundsätzlich: Durch den Verstand kann man keine spirituelle Wahrheit wirklich erkennen

Alles echte spirituelle Wissen kann nicht durch den Verstand erfasst werden. Der Grund ist, dass du – das Bewusstsein – nicht von dieser Welt bist und du auch absolut, d.h. nicht gegensätzlich bzw. dual, bist.

Der Verstand und alle durch den Verstand gesehenen Objekte sind jedoch Gegenstände von dieser dualen Welt.

Die Welt ist polar, d.h. gegensätzlich, und der Verstand kann nur in Gegensätzen denken, z.B. heiß und kalt, oder Licht und Dunkelheit oder Groß und Klein. Wenn du z.B. "Groß" definieren willst, kannst du es nur im Verhältnis zu "Klein" tun, es ist kein absoluter Wert, sondern nur ein relativer.

Man kann also mit dem Verstand nur Dinge der polaren Schöpfung wirklich erfassen, aber nicht dich selbst, den Seher.

Spirituelle Wahrheit, dein Sein, ist nicht dual, d.h. sie ist absolut.
Es ist über der Welt der Polarität, der Welt der Gegensätze, beinhaltet diese jedoch auch.

In der Esoterikszene sind der Verstand und das Denken unpopulär. Dennoch ist der Verstand tatsächlich wichtig für den Weg. Du brauchst ihn, solange noch eine Wahrnehmung des Egos besteht, um – angeleitet durch deine Intuition und dein Gewissen – Richtig von Falsch oder besser gesagt Real und Unreal zu unterscheiden und so auch Schritt für Schritt dein eigenes Ego, bzw. das Nicht-Selbst, zu entlarven[1].

Spirituelles Bücherwissen ist wichtig, da es deine Aufmerksamkeit auf die absolute Wahrheit hinter den relativen Worten richtet. Dein wahres Sein liest sozusagen mit und kann durch die richtigen Schriften und Worte auf sich selbst konzentriert werden.

In Indien ist der Weg der Weisheit als spiritueller Weg anerkannt und heißt Jnana Yoga und gilt vielfach sogar als der höchste der vier Hauptwege[2].

Erkennen im wahren Sinn

Intuition

Yoga ist das Zur-Ruhe-Bringen der Bewegungen des Geistes. Dann findet der Mensch sich in seinem eigentlichen Wesen. Ansonsten glaubt er, identisch mit dem jeweiligen geistigen Zustand zu sein. – Patanjali Yoga Sutren I,2-4

Intuition ist direktes Erkennen von Wahrheit durch dich, das Bewusstsein.

Dieses Erkennen ist jedoch bei vielen Menschen nicht immer gleich direkt möglich, da das Bewusstsein eines Durchschnittsmenschen in viele Täuschungen, gleich einem Irrgarten, verwickelt ist. Das Bewusstsein ist mit vielen mentalen Inhalten identifiziert und hält sich für diese.

Deshalb geht man einen spirituellen Weg, um wieder klar zu sehen und sich dadurch auch zu befreien.

Es ist wie mit einer Lampe, die in einem gefüllten Wasserbecken ist. Wenn das Wasser unruhig ist, so kann man die Lampe und die Gegenstände im Wasser kaum erkennen. Ist das Wasser ruhig, so kann man bis auf den Grund sehen. Dieses Bild ist ein Sinnbild für das Erkennen der Seele. Die Lampe ist das Selbst und das Wasser ist der Verstand. Dieses Symbolbild ist unvollkommen, da der Verstand nicht getrennt vom Selbst existiert. Das Selbst ist stets nicht-dual.

Durch den spirituellen Weg wird das Bewusstsein schrittweise aus den fälschlichen Identifikationen mit dem Verstand, bzw. Name und Form, befreit und die Glückseligkeit des Selbst kann erfahren werden.

Jesus sprach: Wer sucht, soll nicht aufhören zu suchen, bis er findet. Und wenn er gefunden hat, wird er verwirrt sein, und verwirrt, wird er sich im Staunen verlieren, und er wird herrschen über das All. – Thomasevangelium, 2. Logion.

Alles ist eins

Das Ego ist der Kreislauf von Leben und Tod. Das Ego ist immer unwirklich. Ich allein bin nur das Bewusstsein. Abgesehen von mir gibt es nichts, wirklich nichts. – Ribhu Gita, 17/35, S.308

Alles ist eins wirklich zu erkennen, direkt zu sehen und für immer so zu sehen, ist z.B. eine solche echte Intuition. Du kannst in einem Buch lesen "Alles ist eins" und das auswendig lernen oder auch glauben. Dennoch bleibt da eine Trennung da, bis Du es wirklich selbst direkt erfahren hast.

Dieses Erkennen geschieht durch das Auflösen der mentalen Schichten, mit denen du identifiziert bist.

Dieses Auflösen geschieht dabei nicht durch das indirekte und dadurch nur scheinbare Sehen des Verstandes (z.B. auswendig gelerntes Bücherwissen), sondern durch direktes Sehen als Du selbst, als das Bewusstsein. Regelmäßige Meditation und die Lebensweise der Wahrheit und Liebe sind der Weg dazu.

Ich möchte Dir an insgesamt drei Schaubildern vereinfacht symbolhaft zeigen, was genau das bedeutet "Alles ist Eins".

Die Schaubilder sind vielleicht ein wenig klein in diesem Dokument. Du kannst daher eine verlinkte vergrößerte Version von allen Schaubildern auf der Erde-und-Geist-Homepage betrachten, wenn du auf das jeweilige Schaubild in diesem Dokument direkt klickst.

Schaubild 1: Die Illusion des individuellen Ichs bzw. des Egos

Der Weise, der erkannt hat, dass sein eigenes höheres Selbst alles geworden ist, und die Einheit der gesamten Existenz (nicht-dual) sieht, welche Trauer und welche Illusion kann ihn überwältigen? – Ishavashya Upanishad 1:7 [3]

alles ist eins - Bild1

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Durch die kosmische Täuschung entsteht die Illusion der Individualität. Individualität ist das Empfinden, dass ich etwas Anderes bin als du und dass "ich", "dieses Individuum", "meine" individualisierenden in Raum und Zeit definierbaren Eigenschaften bin.

Bei genauer Betrachtung und tiefer Mediation stellt sich das aber als falsch heraus. Es gibt nur ein Leben, dich, was sich über alle Lebewesen und Gegenstände erstreckt und auch ihre Grundlage ist.

Alle Eindrücke, dass ich anders bin als du und dass ich ich bin und du du bist und wir getrennt sind, kommen von der Identifikation mit mentalen Inhalten, die da sind: Körper, Gefühle und Denken.

Je nach Kristallisationsgrad der Gedanken unterscheide ich in meinem Schaubild zwischen schnelleren und langsameren, d.h. stärker verdichteteren Gedanken.

Wenn du dich von diesen falschen Identifikationen durch Meditation und die richtige Lebenshaltung lösen kannst, wirst du klar sehen, dass du und ich tatsächlich genau dasselbe Ich sind und nicht-dual.

Schaubild 2: Die Illusion der Relativität und Vielfalt

Die verschiedenen Völker der Welt, die Vielfalt durch Ursache und Wirkung - alles andere als das Selbst ist unwirklich; es ist nur Sein-Bewusstsein-Glück. – Ribhu Gita, 23/2, S.388

Im kommenden Schaubild verwende ich ein Rechteck, um das Selbst symbolhaft darzustellen. Das ist Absicht, um deinen Geist abzutrainieren. Denn das Selbst hat keine Form, die du mit dem Verstand erfassen könntest.

alles ist eins - Bild2

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Die viereckigen Kästchen im Schaubild entsprechen symbolhaft jeweils einer einzelnen Person im Schaubild 1. Die mentalen Schichten aus Schaubild 1 erzeugen die Illusion einer Grenze und eines in Raum und Zeit definierbaren individuellen "Ichs".

Alle Schöpfung, die du siehst, inklusive deinem eigenen persönlichen Ich, ist nur geträumt. In Wirklichkeit ist da nur Gott, bzw. dein Selbst. Gott ist reines, glückseliges, immerwährendes Bewusstsein. Es unterliegt keiner Veränderung in seiner Essenz und ist stets ein ungeteiltes Ganzes.

Dein Selbst ist die Grundlage der sichtbaren Welt, durch traumhafte Selbstvergessenheit projizierst du die Schöpfung scheinbar (!) aus dir selbst aus in dich selbst hinaus, gleich einem aus sich selbstleuchtenden Bildschirm oder wie ein Träumer in seinem Traum.

So wie eine Kinoleinwand von jedem Film völlig unberührt frei und weiß bleibt, so ist auch dein wahres Selbst von allen Traumfilmen stets abgeschieden und völlig frei, glückselig und unverändert.

Bekennst du dich im Laufe des spirituellen Weges voll deinem wahren Selbst, so betrifft dich die relative Schöpfung in ihren leidvollen Auswirkungen nicht mehr und du verbleibst glückselig als du selbst.

Schaubild 3: Die Illusion des Verstandes

Die ganze Welt ist immer inexistent. Der Gedanke allein ist die ganze Welt. Der Gedanke allein gilt als die Welt. Der Gedanke allein ist die Ursache des Körpers. – Ribhu Gita, 19/9, S.330.

alles ist eins - Bild1

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Meditation ist ein Rückschauen zum Urzustand. Durch dieses Rückschauen lösen sich deine falschen, d.h. nicht realen, mentalen Identifikationen mit deiner nur vorgestellten Individualität schrittweise auf und die leidvolle Gefangenheit von dir selbst in Raum und Zeit wird schrittweise aufgelöst.

Die neue Schöpfung, das Ego und die Einheit mit Gott

Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde verging, und das Meer ist nicht mehr. – Christliche Bibel, Offenbarung 21,1

Es gibt eine höhere Individualität, völlig befreit vom Körper, die auch ein illusionäres Spiel der Schöpfung erlaubt, die jedoch lichtvoll und gotthingegeben ist und die völlig frei ist, von den egozentrisch geschaffenen Beschränkungen durch Raum und Zeit.

Das ist der Zustand des Schöpfergottes. Den Sündenfall wieder umzukehren und die Einheit mit Gott wieder bewusst zu verwirklichen, ja letztlich völlig eins mit dem Schöpfer zu werden, das ist das Ziel und der Sinn des spirituellen Weges.

Der Mensch ist eigentlich ein geistiges Wesen, ist Seele, und ausgestattet mit göttlicher Schöpfungskraft von gewaltiger Macht. Der Macht, alle Träume zu erzeugen und eine göttliche Schöpfung im Einklang mit Gott mit Freude zu erfüllen.

Der Sündenfall ist ein Vergessen bzw. nicht mehr sehen wollen, dass wir alle Eins in Gott sind. Eine Übertretung der kosmischen Gesetze. Dieses Vergessen ist dadurch entstanden, dass Vorstellungen gefolgt wurden, die in der Essenz nicht wahr sind, z.B., dass "ich" wirklich bin und ich größer sein kann als andere. So ein Trip geht nur in einer Selbsttäuschung, denn du und ich sind ja in Wirklichkeit völlig eins.

Doch durch Egoismus ist im Verlaufe der Seelengeschichte ein Unfall passiert, der sogenannte "Sündenfall".

Der Sündenfall ist ein Vergessen bzw. nicht mehr sehen wollen, dass wir alle Eins in Gott sind. Eine Übertretung der kosmischen Gesetze. Dieses Vergessen ist dadurch entstanden, dass Vorstellungen gefolgt wurden, die in der Essenz nicht wahr sind, z.B., dass "ich" wirklich bin und ich größer sein kann als andere. So ein Trip geht nur in der (Selbst-)Täuschung, denn du und ich sind ja in Wirklichkeit eins.

Denn die Trennung ist nicht die Wahrheit und wird es niemals sein, egal wie sehr man auch darauf bestehen mag, durch die eigene Willenskraft

Gleich dem Narziss aus der griechischen Mythologie sieht der Egoist nur noch sich selbst, bzw. die mentalen Inhalte, mit denen er identifiziert ist. Diese egozentrische Selbstverliebtheit lässt ihn aus der göttlichen Harmonie herausfallen und er verliert, als nun scheinbar und durch seine eigene Hand (Egoismus) abgetrenntes Wesen, einen großen Teil seiner göttlichen Macht. Er fällt auf seine eigene egozentrische Schöpfung zurück, den sterblichen Körper und wird, durch den eigenen Egoismus, in den Grenzen dieses Körpers und der Zeit bzw. der Vergänglichkeit gefangen gehalten. Die freudvolle göttliche Schöpfung "wie im Himmel so auf Erden", so wie das wahre unsterbliche Selbst, gerät außer Sicht.

Der Weg zur Freiheit ist ganz einfach die Wahrheit

Die Wahrheit wird Euch frei machen – Jesus Christus[4]

Demontiere dieses ganze Ego! Und indem du das Ego auseinandernimmst, wirst du dein wahres Sein entdecken. Diese Entdeckung ist die großartigste Entdeckung überhaupt, denn damit beginnt eine völlig neue Pilgerreise – zur höchsten Seligkeit, zum ewigen Leben. – Osho

Der einzige Weg, der aus der Täuschung und schmerzhaften Gefangenheit in den Begrenzungen der Vergänglichkeit und der Identifikation mit dem sterblichen physischen Körper hinausführt, ist sich wieder an der Wahrheit zu orientieren und mit dem seit vielen Inkarnationen gegangenen egozentrischen Irrweg Schluss zu machen.

Man muss wieder im Einklang mit Alles-was-ist erschaffen – in Harmonie mit Gott bzw. dem Ganzen und sich generell hingeben, d.h. vom Ego ablassen. Nur so kann man von den selbst eingebildeten Beschränkungen durch Raum- und Zeit wieder frei werden.

Da man schon längst wie Narziss beim Betrachten des eigenen Spiegelbildes im Teich in den Teich gefallen ist und sich selbst vergessen hat, ist der erste Weg, diese Wahrheit wieder zu suchen: wer ich eigentlich wirklich bin.

Das ist die spirituelle Suche. Ich bin dann ein spiritueller Sucher, wenn ich wissen will, wer ich wirklich bin, – und nur dann!

Spiritualität wird für viele Dinge missbraucht, vor allem um Geld und Einfluss zu gewinnen, – aber ihr eigentlicher Zweck ist nur die Wahrheit aufzudecken. Die Wahrheit über dein Sein!

Liebe

Passe dein eigenes Verhalten im weltlichen Leben an deinen Glauben an die Liebe und vor allem an deine eigenen höchsten Erkenntnisse an. Das heißt wahrhaft Verantwortung zu übernehmen.

Oft wird es nicht leicht sein, denn viele andere Menschen um dich herum folgen größtenteils nicht der Liebe, sondern egozentrischen Vor-Stellungen von sich selbst und auch egozentrischen Vorstellungen von Glück.

Dennoch finden sie nicht, was sie suchen und verstricken sich stattdessen immer mehr in der Illusion von Abgetrenntheit und individuellem Leiden.

Nur der Weg der Wahrheit und der Liebe, das heißt auch angewandten Wahrheit, führen aus den Fesseln von Raum und Zeit, Reinkarnation und Tod hinaus zu deinem wahren ewigen glückseligen Sein, deiner Göttlichkeit.

Lass dich nicht beirren und folge deiner innersten Wahrheit, deiner tiefsten Stimme und deinem Gewissen.

Lass dich nicht bestechen weder durch Geld, noch sinnliche Genüsse, noch Anerkennung noch Sicherheit und lass dich auch nicht einschüchtern, sondern vertraue stets auf deine eigene innerste Erkenntnis.

So kannst du die Krone des Lebens erreichen und den wahren Sinn des menschlichen Daseins erfüllen.

Liebe in ihrer befreiten Form ist – in der Schöpfung - die gelebte Wahrheit, dass wir alle eins sind, und die völlige Hingabe an dein wahres, ewiges, stets von Raum und Zeit befreites Sein.

Denn wer sein Leben [d.h. sein falsches Ich bzw. Ego] erhalten will, der wird's verlieren; wer aber sein Leben verliert um meinetwillen [d.h. um Gottes willen, bzw. um der eigenen tiefsten Wirklichkeit/Liebe willen], der wird's finden. – Christliche Bibel, Matthäus 16:25

Euer Bernhard Goller (Damodar)

PS: Bitte beachtet auch unsere Beiträge auf unserem Webblog, die nicht in den Newslettern enthalten sind: http://erde-und-geist.de/blog/


[1] In Indien ist diese wichtige Funktion unter dem Namen Viveka (Unterscheidung) bekannt. Siehe auch hier.Zum Text

[2] Die vier Hauptwege des Yoga sind: Jnana, Karma, Raja, Bhakti. Zum Text

[3] Die Upanishaden, Schriften der Weisheit Indiens: https://de.wikipedia.org/wiki/Upanishaden Zum Text

[4] Christliche Bibel, Johannes, 8,32. Zum Text



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